KVB modernisiert ihre Stadtbahn-Flotte

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Die Kölner Verkehrs-Betriebe wollen ihre Rolle als der Mobilitätsdienstleister für die Stadt Köln und das Umland weiterentwickeln und festigen. Wir sind wichtiger Akteur bei der Verkehrswende hin zu einer klimaschonenden und umweltfreundlichen Mobilität. Um die Menschen zum Umstieg vom Auto auf Bus oder Bahn zu bewegen, muss der ÖPNV so attraktiv wie möglich sein, und moderne Stadtbahnen sind dabei ein wesentlicher Faktor. Unser Ziel: Mehr Komfort für die Fahrgäste und eine höhere Zuverlässigkeit im Betrieb.

In den nächsten Jahren wird die KVB daher ihre Stadtbahn-Flotte nach und nach erneuern. 26 moderne Hochflurfahrzeuge der Firma Bombardier sind bereits in der Auslieferung, die Bestellung von insgesamt 64 Niederflurbahnen NF12/NF6 beim Konsortium Alstom Transport Deutschland und Kiepe Electric stellt einen weiteren Meilenstein auf diesem Weg dar. Weiterhin plant die KVB den Kauf von 132 Hochflur-Stadtbahnwagen mit einer Länge von rund
30 Metern, von denen jeweils zwei über eine Schnelltrennstelle zu einem durchgängigen Zug mit einer Länge von ca. 60 Metern miteinander verbunden werden. Geplant ist zudem der Kauf von 34 Zwischenmodulen, mit denen die 60-Meter-Bahnen auf 70 Meter verlängert werden können. Auf diese Weise sollen die Fahrgastkapazitäten auf den Stadtbahn-Linien, 13 und 18 vergrößert werden.

Hochflurfahrzeuge des Herstellers Bombardier

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Im Dezember 2020 trafen die ersten beiden Hochflurbahnen in Köln ein, die die KVB beim Hersteller Bombardier bestellt hat. Vorausgegangen war eine europaweite Ausschreibung, die gemeinsam mit der Düsseldorfer Rheinbahn durchgeführt wurde.

Die neuen Fahrzeuge sollen einen Teil der Altfahrzeuge, die seit Ende der 1970er beziehungsweise den 1980er Jahren in Betrieb sind, ersetzen. Sie sollen aber auch den Fahrzeugpark erweitern, da durch ein stetig erweitertes ÖPNV-Angebot dringend weitere Bahnen benötigt werden. Die neuen Bahnen werden später im gesamten Hochflurnetz einsetzbar sein. Das Investitionsvolumen für die Beschaffung der neuen Fahrzeuge liegt bei rund 60 Millionen Euro.

Beide Bahnen werden derzeit ausgiebig getestet. Bei der Vielzahl von Erprobungen und Messungen geht es unter anderem um die Fahrzeugkonstruktion, um Fahrverhalten, Türsteuerung, Bremssysteme,  Heizungs-, Lüftungs- und Klimasystem, um Fahrzeug- und Zugsteuerung, Streckenprüfungen oder Geräusch- und Vibrationsprüfungen.

 

Klimaanlagen und Multifunktionsanzeiger 

Innenraum  
Neu gestalteter Innenraum

Die Fahrzeuge besitzen Klimaanlagen und eine Luftfederung, die den Komfort für die Fahrgäste und das Fahrpersonal erhöhen sollen. Die äußeren Fahrtzielanzeigen erlauben eine schärfere Darstellung und einen höheren Kontrast, um die Lesbarkeit zu verbessern. Im Innenraum sind die Bahnen mit Multifunktionsanzeigern ausgestattet, auf denen später Fahrgastinformationen oder auch Werbung gezeigt werden können.

Derzeit sind die Bahnen im Kölner Streckennetz unterwegs, um festzustellen, ob sie überall glatt „durchkommen“. Es werden Styroporkörper an bestimmten Stellen des Fahrzeugs angebracht, um Extremsituationen nachzubilden (z.B. volle Beladung, abgenutzte Radreifen oder Schienen etc.). Jede Strecke wird abgefahren, das Ergebnis dokumentiert und die Strecke dann für das Fahrzeug freigegeben. Es werden unter anderem auch Geräusch- und Vibrationsmessungen vorgenommen und Notsituationen
simuliert – zum Beispiel Kuppeln auf der Strecke, das Lösen von festgefahrenen Bremsen etc.

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Der neue Arbeitsplatz unseres Fahrpersonals

Das Inbetriebnahme- und Erprobungsprogramm wird bis in die zweite Jahreshälfte 2021 andauern. Ab Herbst 2021 ist der Einsatz im Fahrgastbetrieb geplant. Ab Ende 2021 werden auch die restlichen 18 Fahrzeuge annähernd in einem Zwei-Wochen-Takt angeliefert und in die Inbetriebnahme gehen. Die Auslieferung der insgesamt bestellten 20 Hochflurfahrzeuge der Baureihe HF6 wird dann im Jahr 2022 abgeschlossen sein.

KVB-Vorstandsvorsitzende Stefanie Haaks: „Wir freuen uns sehr, dass unser umfangreiches Stadtbahn-Beschaffungsprogramm Fahrt aufnimmt. Nach einer intensiven Testphase erwarten wir, dass die neuen Hochflur-Fahrzeuge wesentlich zur Verbesserung der Betriebsqualität beitragen, um damit den ÖPNV in Köln noch attraktiver zu machen.“

 

 

 

Niederflurbahnen von Alstom Transport Deutschland und Kiepe Electric

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Designstudie Stadtbahnwagen NF 12

Der Auftrag für die neue Generation von Niederflur-Bahnen ging an das Konsortium Alstom Transport Deutschland GmbH (Salzgitter) und Kiepe  Electric GmbH (Düsseldorf). Die Unternehmen, die nach einem europaweiten

Ausschreibungsverfahren den Zuschlag erhalten haben, liefern 62 moderne durchgängige Niederflurfahrzeuge (60-Meter-Langzüge) sowie zwei rund 30 Meter lange Niederflurfahrzeuge.

Die Langzüge sollen 124 Fahrzeuge der Baureihe K4000 ersetzen, die bereits heute ihre Nutzungsgrenze erreicht haben. Nach der Ertüchtigung der Ost-West-Achse sollen auf den Linien 1 und perspektivisch auch auf der Linie 9 rund
90 Meter lange Zugverbände fahren. Diese setzen sich jeweils aus einem Lang- und einem Kurzzug zusammen. Auf diese Weise kann die Kapazität auf diesen Linien um bis zu 50 Prozent erhöht werden. Diese Erweiterung ist dringend erforderlich, um dem steigenden Fahrgastaufkommen Rechnung zu tragen.

Das Investitionsvolumen für die Beschaffung der neuen Fahrzeuge liegt bei rund 363 Millionen Euro. Weiterhin umfasst der Auftrag Optionen für den Kauf von bis zu weiteren elf Lang- und 25 Kurzzügen, die für die verschiedenen Ausbauprojekte im KVB-Streckennetz nach dem ÖPNV-Bedarfsplan benötigt werden. An Fördermitteln für Stadtbahn-Beschaffungen stehen für dieses Projekt bis 2031 insgesamt rund 80 Millionen Euro zur Verfügung. Die von der KVB zu tragenden Investitionen sollen über Gesellschafterdarlehen der Stadt finanziert werden.

Die Vorserie (bestehend aus jeweils zwei Lang- und Kurzzügen) soll Ende 2023 geliefert und für rund ein Jahr erprobt werden. Die Lieferung der Serienfahrzeuge beginnt ab Ende 2024.

 

Optimierter Fahrgastfluss und verbesserte Instandhaltung 

Der Vergabe ist eine umfassende Auftragsvorbereitung vorausgegangen, in deren Rahmen die KVB einen rund zweijährigen Industriedialog durchgeführt hat. Bei dieser Markterkundung wurden intensive Gespräche mit mehreren Fahrzeugherstellern geführt mit dem Ziel, ein zukunftsorientiertes Fahrzeugkonzept für die KVB zu erarbeiten.

Im Mittelpunkt standen dabei die Optimierung des Fahrgastflusses sowie die Umsetzung eines instandhaltungsfreundlichen Fahrzeugkonzeptes. Neben dem Industriedialog wurden auch alle wesentlichen Interessensgruppen wie z.B. die Behindertenverbände, die Berufsgenossenschaft sowie das Fahr- und Werkstattpersonal in die Auftragsvorbereitung eingebunden. Alle gewonnenen Erkenntnisse und Anforderungen sind in die Vergabeunterlagen und somit in das zukünftige Fahrzeugkonzept der KVB eingeflossen. Nach einer rund zweijährigen Vergabephase hat die KVB mit dem Auftragnehmer gemeinsam die Projektphase gestartet. In einem Zeitraum von rund 3,5 Jahren erfolgt die Feinspezifikation, Konstruktion und Fertigung der neuen Fahrzeugserie.

 

Zusätzliche Türen, Klimaanlagen und Kollisionswarnsystem 

Diese wird sich mit ihrer modernen und innovativen Ausgestaltung deutlich von den Bestandsfahrzeugen der KVB abheben: Im Vergleich zum heutigen Fahrzeugkonzept (zwei Kurzzüge werden miteinander zu einer Doppeltraktion gekuppelt) besteht die neue Fahrzeugserie aus durchgängigen Langfahrzeugen. Das heißt auch, dass es keinen Kupplungsbereich mehr gibt und eine Gefahrenquelle für Unfälle minimiert wird.

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Designstudie Stadtbahnwagen NF 12

Ein Langzug hat im Vergleich zu einer heutigen Doppeltraktion pro Seite zwei zusätzliche Fahrgasttüren (zehn statt bislang acht Türen). Ziel ist es, das Ein- und Aussteigen zu beschleunigen und eine bessere Verteilung der Fahrgäste im Fahrzeug zu erreichen. Die Mehrzweckbereiche sind offen und großzügig gestaltet, das Innendesign ist hell, freundlich, modern und einladend. Designentwürfe liegen der KVB bereits vor, eine konkrete Abstimmung des Innen- und Außendesigns sowie der Innenraumgestaltung erfolgt zwischen KVB und Auftragnehmer und wird anhand eines so genannten Mock-Ups (Nachbau  des ahrzeugs vom Fahrerstand bis einschließlich der ersten Fahrgasttüre) abgestimmt.

 

Alle neuen Fahrzeuge sind mit CO2-Klimaanlagen ausgestattet, die besonders energieeffizient und umweltfreundlich arbeiten. Die Fahrzeuge verfügen zudem über ein Kollisionswarnsystem, das mittels Sensoren Objekte in bis zu 80 Metern Entfernung erkennen kann. In Abhängigkeit von der Geschwindigkeit der Stadtbahn und dem daraus resultierenden Bremsweg wird das Fahrpersonal frühzeitig durch das System gewarnt.

Die Fahrzeuge sind zudem mit Sensoren ausgestattet, die eine vorausschauende Instandhaltung ermöglichen sollen. Dadurch sollen die Fahrzeuge künftig deutlich weniger in der Werkstatt gebunden sein als das heute der Fall ist. Ein weiteres Merkmal der neuen Fahrzeugserie ist die Ausstattung mit modernen Kundeninformationssystemen, die z.B. über Bildschirme den Fahrgästen Informationen zur Verfügung stellen.

 

Fahrsimulator zur Schulung des Personals 

Zur Schulung des Fahrpersonals wird zukünftig ein Fahrsimulator zur Verfügung stehen, der einen Nachbau des Fahrerraumes inklusive aller Funktionen darstellt. Dem Fahrpersonal wird die reale äußere Umgebung des Fahrerraums digital nachgebildet und auf Monitoren dargestellt; mittels Virtual Reality werden Teile des Streckennetzes sowie dessen Umgebung digital dargestellt und verschiedene Ereignisse und Störfälle simuliert.