Niederflurfahrzeuge

Niederflurfahrzeuge von Alstom Transport Deutschland und Kiepe Electric

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Designstudie Stadtbahnwagen NF 12

Der Auftrag für die neue Generation von Niederflur-Bahnen ging an das Konsortium Alstom Transport Deutschland GmbH (Salzgitter) und Kiepe Electric GmbH (Düsseldorf). Die Unternehmen, die nach einem europaweiten

Ausschreibungsverfahren den Zuschlag erhalten haben, liefern 62 moderne durchgängige Niederflurfahrzeuge (60-Meter-Langzüge) sowie zwei rund 30 Meter lange Niederflurfahrzeuge.

Die Langzüge sollen 124 Fahrzeuge der Baureihe K4000 ersetzen, die bereits heute ihre Nutzungsgrenze erreicht haben. Nach der Ertüchtigung der Ost-West-Achse sollen auf den Linien 1 und perspektivisch auch auf der Linie 9 rund
90 Meter lange Zugverbände fahren. Diese setzen sich jeweils aus einem Lang- und einem Kurzzug zusammen. Auf diese Weise kann die Kapazität auf diesen Linien um bis zu 50 Prozent erhöht werden. Diese Erweiterung ist dringend erforderlich, um dem steigenden Fahrgastaufkommen Rechnung zu tragen.

 

Neues-Design_Gesamtansicht  
   Designstudie Stadtbahnwagen NF 12

Das Investitionsvolumen für die Beschaffung der neuen Fahrzeuge liegt bei rund 363 Millionen Euro. Weiterhin umfasst der Auftrag Optionen für den Kauf von bis zu weiteren elf Lang- und 25 Kurzzügen, die für die verschiedenen Ausbau-projekte im KVB-Streckennetz nach dem ÖPNV-Bedarfsplan benötigt werden.

An Fördermitteln für Stadtbahn-Beschaffungen stehen für dieses Projekt bis 2031 insgesamt rund 80 Millionen Euro zur Verfügung. Die von der KVB zu tragenden Investitionen sollen über Gesellschafterdarlehen der Stadt finanziert werden.

Die Vorserie (bestehend aus jeweils zwei Lang- und Kurzzügen) soll Ende 2023 geliefert und für rund ein Jahr erprobt werden. Die Lieferung der Serienfahrzeuge beginnt ab Ende 2024.

Mockup_anderer-Fahrgastraum  
 

Bei der Entwicklung des Fahrzeugs geht die KVB neue Wege. Für die modernen Niederflurfahrzeuge wurden im Straßenbahn-Museum Thielenbruch so genannte Ergonomie-Mockups aufgestellt: jeweils ein 1:1-Anschauungsmodell einer Fahrerkabine und eines Mehrzweckbereichs, dessen Gestaltung vor allem für Menschen mit Einschränkungen von Bedeutung ist. Vertreter von Behindertenverbänden und mobilitätseingeschränkte KVB-Mitarbeitende konnten anhand dieses Nachbaus testen, ob die bisherigen Entwicklungen für sie hilfreich und nutzbar sind sowie Verbesserungsvorschläge machen. Dabei geht es beispielsweise um die Anordnung von Haltegriffen und -stangen oder Anforderungsknöpfen und Ähnliches.

Anhand von Farbmustern konnten Kontraste im Fahrzeug veranschaulicht werden. Darüber hinaus konnte man sich mit einer VR-Brille virtuell durch das komplette Fahrzeug bewegen – ein beeindruckendes Erlebnis für alle Teilnehmenden. Fahrerinnen und Fahrer der KVB konnten den Fahrerstand begutachten und ihre Anregungen und Wünsche äußern. Das Ausprobieren, Sehen und Erkunden hat bei allen Beteiligten zu Erkenntnissen und besserem Verstehen geführt. Im weiteren Entwicklungsprozess werden diese Erkenntnisse gebündelt und Lösungen entwickelt.

 

Abstimmungen zwischen KVB und dem Hersteller

Mockup_VR-Brille  
Test mit VR-Brille

An den Mockups und mit Hilfe der VR-Brille fanden zudem intensive Abstimmungen zwischen KVB und Alstom über die weitere Entwicklung des Fahrzeugs statt. Im nächsten Frühjahr wird ein weiteres, zwölf Meter langes und zehn Tonnen schweres Mockup in Thielenbuch aufgebaut, mit dem der komplette vordere Teil einer Stadtbahn nachgebaut wird.
Dann werden auch interessierte Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit haben, sich über den Entwicklungsstand zu informieren.

KVB-Vorstandsvorsitzende Stefanie Haaks: „Die neuen Stadtbahnen spielen beim Ausbau und bei der Attraktivierung des ÖPNV eine wichtige Rolle. Wir wollen unsere Mitarbeitenden und unsere Kunden so weit wie möglich in die Entwicklung der neuen Fahrzeuggeneration mit einbeziehen. Wir freuen uns, dass uns dabei moderne Technologien wie beispielsweise die VR-Brillen zur Verfügung stehen, denn das macht es natürlich noch spannender und effektiver.“

 

Zusätzliche Türen, Klimaanlagen und Kollisionswarnsystem 

Diese wird sich mit ihrer modernen und innovativen Ausgestaltung deutlich von den Bestandsfahrzeugen der KVB abheben: Im Vergleich zum heutigen Fahrzeugkonzept (zwei Kurzzüge werden miteinander zu einer Doppeltraktion gekuppelt) besteht die neue Fahrzeugserie aus durchgängigen Langfahrzeugen. Das heißt auch, dass es keinen Kupplungsbereich mehr gibt und eine Gefahrenquelle für Unfälle minimiert wird.

Mockup_Fahrgastraum  
Fahrgastraum

Ein Langzug hat im Vergleich zu einer heutigen Doppeltraktion pro Seite zwei zusätzliche Fahrgasttüren (zehn statt bislang acht Türen). Ziel ist es, das Ein- und Aussteigen zu beschleunigen und eine bessere Verteilung der Fahrgäste im Fahrzeug zu erreichen. Die Mehrzweckbereiche sind offen und großzügig gestaltet, das Innendesign ist hell, freundlich, modern und einladend. Designentwürfe liegen der KVB bereits vor, eine konkrete Abstimmung des Innen- und Außendesigns sowie der Innenraumgestaltung erfolgt zwischen KVB und Auftragnehmer und wird anhand eines so genannten Mock-Ups (Nachbau  des ahrzeugs vom Fahrerstand bis einschließlich der ersten Fahrgasttüre) abgestimmt.

Alle neuen Fahrzeuge sind mit CO2-Klimaanlagen ausgestattet, die besonders energieeffizient und umweltfreundlich arbeiten.
Die Fahrzeuge verfügen zudem über ein Kollisionswarnsystem, das mittels Sensoren Objekte in bis zu 80 Metern Entfernung erkennen kann. In Abhängigkeit von der Geschwindigkeit der Stadtbahn und dem daraus resultierenden Bremsweg wird das Fahrpersonal frühzeitig durch das System gewarnt.

Die Fahrzeuge sind zudem mit Sensoren ausgestattet, die eine vorausschauende Instandhaltung ermöglichen sollen. Dadurch sollen die Fahrzeuge künftig deutlich weniger in der Werkstatt gebunden sein als das heute der Fall ist. Ein weiteres Merkmal der neuen Fahrzeugserie ist die Ausstattung mit modernen Kundeninformationssystemen, die z.B. über Bildschirme den Fahrgästen Informationen zur Verfügung stellen.

 

Mockup_Fahrerstand  
Blick nach vorne

Fahrsimulator zur Schulung des Personals 

Zur Schulung des Fahrpersonals wird zukünftig ein Fahrsimulator zur Verfügung stehen, der einen Nachbau des Fahrerraumes inklusive aller Funktionen darstellt.
Dem Fahrpersonal wird die reale äußere Umgebung des Fahrerraums digital nachgebildet und auf Monitoren dargestellt; mittels Virtual Reality werden Teile des Streckennetzes sowie dessen Umgebung digital dargestellt und verschiedene Ereignisse und Störfälle simuliert.